Presse: Verkauf von ThyssenKrupp-Stahlwerken in Übersee vor dem Scheitern

ESSEN (dpa-AFX) - Ein Scheitern der seit langem andauernden Verhandlungen über den Verkauf der ThyssenKrupp -Stahlwerke in Übersee wird wahrscheinlicher. Der Konzern arbeitet immer ernsthafter an Alternativplänen, wie das "Wall Street Journal Deutschland" am Freitagabend unter Berufung auf mehrere informierte Personen berichtete. Eine Variante sehe dabei sogar den Ausbau des Stahlgeschäfts in Brasilien vor.

Sollte nur der Verkauf des Weiterverarbeitungswerks im US-Bundesstaat Alabama gelingen, wollten die Konzernverantwortlichen dem Bericht zufolge den in der Nähe von Rio de Janeiro produzierten Rohstahl künftig mit einem Partnerunternehmen noch in Südamerika weiterverarbeiten. Das sei die wahrscheinlichste Variante. Auch für den Fall, dass sich keines der Werke verkaufen lässt, sehe sich ThyssenKrupp (London: 0O1C.L - Nachrichten) gerüstet. Dann könnte der Konzern später einen Anteil am Stahlgeschäft zum Verkauf stellen.

Offiziell hielt ThyssenKrupp an der bekannten Sprachregelung fest, nach der sich der Konzern "unverändert in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem führenden Bieter" befindet. Erst zu Wochenbeginn hatte sich Vorstandschef Heinrich Hiesinger in einem Interview betont gelassen gegeben.

"Wir sind nicht erpressbar", sagte der Manager der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). Die Stahlwerke sollten nur dann verkauft werden, wenn die Verkaufsbedingungen eine tragfähigere Lösung ermöglichten als ein Fortführen im Konzern. "Wenn die Bedingungen zu schlecht sind, werden wir es auch ertragen, dass wir nicht verkaufen. Das streben wir nicht an, aber wir haben auch keine Angst davor."

Der Manager hatte die Anlagen vor rund anderthalb Jahren zum Verkauf gestellt. Als Favorit gilt bislang der brasilianischen Stahlkonzern CSN, der als harter Verhandlungspartner bekannt ist. Die Gespräche ziehen sich hin. Knackpunkt ist der Preis. Ursprünglich hatte Hiesinger den Verkauf schon im Mai in trockenen Tüchern haben wollen. Doch der Druck ist inzwischen nicht mehr so groß. Das liegt zum einen daran, dass die Anlage in Brasilien inzwischen technisch besser läuft. Zum anderen profitiert ThyssenKrupp davon, dass die brasilianische Währung zuletzt deutlich an Wert verloren hat./enl

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